„Ich habe überhaupt keine Eile“ Gastronom Rainer Rethmann freut sich auf Übernahme des Heinrich-Neuy-Hauses
Borghorst. Es war eine ausgewachsene Zeitungsente, die gestern durch einen Teil der örtlichen Medienlandschaft watschelte: Der Pächter für die Gastronomie im Heinrich-Neuy-Museum sei abgesprungen, war zu lesen. FWS-Vorsitzender Willi Wobbe hatte diese Meldung verbreitet, verpackt in eine Anfrage an den Bürgermeister. Auch wenn Gastronom Rainer Rethmann als Betreiber des „Schwan“ in Telgte einen Faible für das Federvieh hat, solche Enten kann er überhaupt nicht leiden. „Das ist völliger Quatsch“, sagte der im Oktober 2007 von der Stiftung präsentierte Betreiber für Cafè und Restaurant. „Natürlich komme ich nach Borghorst.“ Das bestätigte auch Jürgen Holtz von seitens der Stiftung. Der konnte über diese Störungsmanöver der Freien Wähler ebenfalls überhaupt nicht lachen. „Statt durch solche Aktionen unseren Ruf zu schädigen, sollte Herr Wobbe vielleicht mal was für uns tun.“
„Ich habe überhaupt keine Eile“, lässt sich Rethmann durch die Verzögerungen bei der Renovierung des Hauses am Kirchplatz nicht aus der Ruhe bringen. Im Telgter „Schwan“ haber er noch für drei Jahre einen Vertrag, außerdem als studierter Kunsthistoriker vollstes Verständnis für die Verzögerungen: „So ist das nun einmal, wenn das Geld knapp ist und der Denkmalschutz eine große Rolle spielt.“
Er mache in der Zwischenzeit seine Hausaufgaben für den Ortswechsel. So schrieb er kurz vor dem Gespräch mit den WN einen Brief für die Stiftung, in dem er sich verpflichtet, zwei Behindertenarbeitsplätze zu schaffen. Auch am Konzept für die Gastronomie hat Rainer Rethmann schon kräftig gefeilt: „ Ich möchte zum Beispiel das Konzept ‚Schüler – Geselle – Lehrer‘ des Bauhauses verfolgen.“ Er kann sich beispielsweise sehr gut vorstellen, Kindergärten zum Falten von Servietten oder Schüler für das Gestalten von Speisekarten einzuladen. Erste Kontakte hat er mit örtlichen Köchen geknüpft, um auch mal gemeinsam was auf die Beine zu stellen.
Von seinem Können als Koch sollen sich die Borghorster am 13. September, dem Tag des Denkmals, überzeugen. Dann will Rainer Rethmann unter der Überschrift „Genuss in alten Gemäuern“ leckere Kleinigkeiten im Haus der Stiftung anbieten.
Was den Telgter am Wechsel nach Borghorst reizt? Rethmann muss nicht lange überlegen. „ Das Bauhaus-Museum ist ein ungemein spannendes Objekt.“ Kunst, Touristik und Gastronomie unter seinem Hut zu bekommen, das sei eine Aufgabe, die fordert. „Dafür bin ich auch bereit zu warten.“
Die Gaststätten-Landschaft ist nach Einschätzung von Reiner Rethmann in Borghorst eine ganz andere als in Telgte. „Hier ist der Konkurrenzkampf sehr groß“, sieht er sich im Augenblick noch von zahlreichen Lokalen umgeben. In Borghorst fehle derzeit die Bereitschaft, etwas „wirklich Neues“ zu machen.
Rainer Rethmann ist Quereinsteiger in die Gastronomie. Sein Kunsthistoriker-Studium hat er sich durch eine Ausbildung im münsterischen Mövenpick-Hotel verdient. Es folgten Anstellung als Kellner und Oberkellner, mittlerweile führt Rethmann den eigenen zweiten Betrieb.
Quelle: WN Samstag, 11 Juli 2009, Bericht von Axel Roll






Europaweit bietet der Tag des Offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September der geschichtsinteressierten Öffentlichkeit Einblicke in sonst meist verschlossene alte Gemäuer. Nicht anders war es in diesem Jahr auch in Steinfurt, wo die Heinrich-Neuy-Stiftung den Tag dazu nutzte, erstmals das Haus Weining/ König am Kirchplatz 5 im Ortsteil Borghorst und seine geplante neue Nutzung einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Über 400 Besucherinnen und Besucher nutzten dieses Angebot – und waren voll des Lobes sowohl über den geschichtsträchtigen Ort als auch über seine nun angedachte zeitgenössische Nutzung.
Die vom Land NRW bewilligte Landesförderung hatte zur Auflage gemacht, ein professionell erstelltes Betriebskonzept vorzulegen, das nicht nur die Besonderheit des Projektes, sondern auch dessen Wirtschaftlichkeit belegt. Die Landes- entwicklungsgesellschaft erarbeitete daraufhin nach eingehenden Diskussionen mit allen Projektbeteiligten sowie Fachleuten aus den Bereichen Gastronomie und Design ein integriertes Nutzungskonzept, das den Bauhaus- Gedanken auf das Innere (fast) des gesamten Hauses überträgt: So soll nicht nur im Obergeschoss eine Ausstellung die Bauhaus-Idee anhand der Werke einzelner Bauhäusler wie Heinrich Neuy, Margarete Leiteritz und Albert Hennig präsentieren, auch die Gastronomie im Erdgeschoss soll in Einrichtung und Ausstattung vollständig dem Bauhaus-Gedanken verpflichtet sein. Kunst und Gebrauchsdesign sollen so Hand in Hand eine Atmosphäre schaffen, die die Bauhaus-Philosophie eben nicht nur museal präsentiert, sondern beim Besuch des Restaurants oder des Museums-Shops auch unmittelbar erfahrbar macht. Wie das Bauhaus alle Bereiche des Lebens durchdringen wollte, so soll es am Kirchplatz 5 demnächst auch in allen Facetten des Lebens erlebbar sein: Im Mobiliar, in Geschirr und Besteck, aber eben auch in der Kunst, die die Räume schmückt.
Dass niemand für das Projekt besser werben kann als das Haus selbst, wurde in allen Gesprächen – ob in großer oder kleiner Runde – immer wieder bekundet.
Gala zugunsten der Neuy-Stiftung
Sein nicht immer leichtes, aber stets gradliniges Leben als Künstler und Handwerker haben auch den Regierungsvizepräsidenten Alfred Wirtz beeindruckt. Ebenso seine lebenslange Neugier. Gestern überreichte Wirtz Hedwig Seegers, Tochter des verstorbenen Borghorster Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy, die Anerkennungsurkunde für die Heinrich-Neuy-Stiftung.
Heinrich Neuy, 1911 in Kevelaer geboren, studierte von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau.