August 12th, 2009

„Ich habe überhaupt keine Eile“ Gastronom Rainer Rethmann freut sich auf Übernahme des Heinrich-Neuy-Hauses

Borghorst. Es war eine ausgewachsene Zeitungsente, die gestern durch einen Teil der örtlichen Medienlandschaft watschelte: Der Pächter für die Gastronomie im Heinrich-Neuy-Museum sei abgesprungen, war zu lesen. FWS-Vorsitzender Willi Wobbe hatte diese Meldung verbreitet, verpackt in eine Anfrage an den Bürgermeister. Auch wenn Gastronom Rainer Rethmann als Betreiber des „Schwan“ in Telgte einen Faible für das Federvieh hat, solche Enten kann er überhaupt nicht leiden. „Das ist völliger Quatsch“, sagte der im Oktober 2007 von der Stiftung präsentierte Betreiber für Cafè und Restaurant. „Natürlich komme ich nach Borghorst.“ Das bestätigte auch Jürgen Holtz von seitens der Stiftung. Der konnte über diese Störungsmanöver der Freien Wähler ebenfalls überhaupt nicht lachen. „Statt durch solche Aktionen unseren Ruf zu schädigen, sollte Herr Wobbe vielleicht mal was für uns tun.“
„Ich habe überhaupt keine Eile“, lässt sich Rethmann durch die Verzögerungen bei der Renovierung des Hauses am Kirchplatz nicht aus der Ruhe bringen. Im Telgter „Schwan“ haber er noch für drei Jahre einen Vertrag, außerdem als studierter Kunsthistoriker vollstes Verständnis für die Verzögerungen: „So ist das nun einmal, wenn das Geld knapp ist und der Denkmalschutz eine große Rolle spielt.“
Er mache in der Zwischenzeit seine Hausaufgaben für den Ortswechsel. So schrieb er kurz vor dem Gespräch mit den WN einen Brief für die Stiftung, in dem er sich verpflichtet, zwei Behindertenarbeitsplätze zu schaffen. Auch am Konzept für die Gastronomie hat Rainer Rethmann schon kräftig gefeilt: „ Ich möchte zum Beispiel das Konzept ‚Schüler – Geselle – Lehrer‘ des Bauhauses verfolgen.“ Er kann sich beispielsweise sehr gut vorstellen, Kindergärten zum Falten von Servietten oder Schüler für das Gestalten von Speisekarten einzuladen. Erste Kontakte hat er mit örtlichen Köchen geknüpft, um auch mal gemeinsam was auf die Beine zu stellen.
Von seinem Können als Koch sollen sich die Borghorster am 13. September, dem Tag des Denkmals, überzeugen. Dann will Rainer Rethmann unter der Überschrift „Genuss in alten Gemäuern“ leckere Kleinigkeiten im Haus der Stiftung anbieten.
Was den Telgter am Wechsel nach Borghorst reizt? Rethmann muss nicht lange überlegen. „ Das Bauhaus-Museum ist ein ungemein spannendes Objekt.“ Kunst, Touristik und Gastronomie unter seinem Hut zu bekommen, das sei eine Aufgabe, die fordert. „Dafür bin ich auch bereit zu warten.“
Die Gaststätten-Landschaft ist nach Einschätzung von Reiner Rethmann in Borghorst eine ganz andere als in Telgte. „Hier ist der Konkurrenzkampf sehr groß“, sieht er sich im Augenblick noch von zahlreichen Lokalen umgeben. In Borghorst fehle derzeit die Bereitschaft, etwas „wirklich Neues“ zu machen.
Rainer Rethmann ist Quereinsteiger in die Gastronomie. Sein Kunsthistoriker-Studium hat er sich durch eine Ausbildung im münsterischen Mövenpick-Hotel verdient. Es folgten Anstellung als Kellner und Oberkellner, mittlerweile führt Rethmann den eigenen zweiten Betrieb.

Quelle: WN Samstag, 11 Juli 2009, Bericht von Axel Roll

July 18th, 2008

Tag des Denkmals am 14.09.2008

Am 14.09.2008 ist das Haus König, Kirchplatz 5 in der Zeit von 11 – 18 Uhr anlässlich des Denkmaltages geöffnet.

April 1st, 2008

Leitlinien zur Nutzung und zum Betrieb des Museums , Kirchplatz 5

HeinrichNeuyBauhausMuseum e.V.
Der Vorstand

Leitlinien zur Nutzung und zum Betrieb des Museums , Kirchplatz 5

Das Haus Kirchplatz 5 ist nicht nur ein einzigartiger Zeuge für die Geschichte des ursprünglichen Stiftsdorfes und der späteren Textilstadt Borghorst, es ist auch wie kein anderer Ort in Borghorst dazu geeignet, die Stadt in die touristische Zukunftsinitiative des Kreises Steinfurt einzubinden.

Stiftsbibliothek und Stiftsgeschichte

Als einzige erhaltene Stiftskurie ist es der letzte bauliche Zeuge des alten Stiftsplatzes, nachdem sogar die alte Stiftskirche einem größeren Nachfolgebau hat weichen müssen und alle anderen Stiftskurien entweder abgerissen oder durch Umbauten komplett überformt worden sind. Jetzt, wo es der Kirchengemeinde St. Nikomedes gelungen ist, mit dem Borghorster Stiftskreuz eine ottonische Goldschmiedearbeit von europäischem Rang, nach Borghorst zurückzuholen, wird der Verlust der mit dem Stift verbundenen baulichen Zeugnisse umso schmerzlicher deutlich. Hier setzt der heimatgeschichtliche Teil der Nutzung des Hauses Kirchplatz 5 an: Mit der Präsentation der alten Stiftsbibliothek in der letzten erhaltenen Stiftskurie wird ein wichtiger Teil des Stiftslebens der interessierten Bevölkerung zugänglich gemacht; darüber hinaus werden in der Bibliothek auch die Geschichte des Stiftes sowie die Rolle des Hauses Kirchplatz 5 dokumentiert; und schließlich werden Vorträge, Seminare und Ausstellungen im Haus sowie Führungen in der unmittelbaren Umgebung die Präsentation der Realien ergänzen. So soll Orts-, Heimat- und Regionalgeschichte ganz unmittelbar vor Ort erlebbar und begreifbar gemacht werden.

HeinrichNeuyBauhausMuseum

Darüber hinaus wird im Haus Kirchplatz 5 das Werk des Bauhaus-Schülers Heinrich Neuy, der von 1934 bis 2003 in Borghorst gelebt und gewirkt hat, präsentiert, ergänzt durch Nachlässe und Arbeiten weiterer Baushausschüler (bisher: Margaret Leiteritz und ausgesuchte Werke des Bauhäuslers Albert Henning). Durch die Arbeiten dieser ganz unterschiedlich, aber doch vergleichbar arbeitenden Künstler soll gezeigt werden, welches enorm kreative Potential in den Lehren des Bauhauses begründet lag. Und es soll nicht nur in Führungen und Vorträgen, sondern auch in praktischem Arbeiten mit interessierten Gruppen (gerade auch mit Kindern und Jugendlichen) vermittelt werden, zu welch kreativen Impulsen die Beschäftigung mit den Ideen des Bauhauses und seiner Schüler führen kann.

Übergreifende Nutzung

Das Haus Kirchplatz 5 wird also nicht nur zu einem Museum, das überregional wertvolle Exponate birgt, sondern auch zu einem Ort lebendiger heimat- und kulturgeschichtlicher Aktivitäten. Dazu wird neben der Bibliothek und den Ausstellungsräumen auch ein Seminarraum eingerichtet, der hinreichend Platz für Vorträge, Seminare und kreatives Arbeiten mit mittelgroßen Gruppen – wie zum Beispiel Schulklassen – bietet. Ein solcher Raum muss so platziert werden, dass er auch genutzt werden kann, wenn die Bibliothek und das Museum geschlossen sind.

Mit seiner wertvollen Bibliothek und dem kleinen Bauhaus-Museum, mit dem Seminar- und Vortragsraum, den Ausstellungsflächen, dem kleinen Museumsshop sowie mit der Gastronomie wird das Haus Kirchplatz 5 zu einem Ort lebendiger Kulturvermittlung – von der Ortsgeschichte des Stiftes und des Textilstandortes bis hin zu überregional bedeutenden Themen wie der ottonischen Romanik oder den internationalen Zielen des Bauhauses. Indem man gräbt, wo man steht, und so im Kleinen das Große anschaulich begreift, wird man aufgeschlossen für jene großen Themen der Geschichte, die gerade in ihren regionalen oder lokalen Niederschlägen von jeweils ganz spezifischem Charme sind.

Steinfurt, im Februar 2008
Werner Friedrich

August 21st, 2007

WDR 5 berichtet über die Heinrich-Neuy-Stiftung

Der WDR 5 berichtete in der Reihe Stiftungen in Nordrhein-Westfalen am 27.07. über die Heinrich-Neuy-Stiftung.
Der Ausschnitt aus der Sendung Scala des Senders WDR 5 steht hier zum Download bereit.

Download der mp3-Datei (ca. 5 MB)

August 16th, 2007

Umbauphase am Kirchplatz 5 ist im vollem Gange

August 9th, 2007

Anspruch auf Konzession

Heinrich-Neuy-Museum: Bürgermeister Hoge hat keine Bedenken

Auch wenn die Nachbarn nicht begeistert sind, Bürgermeister Andreas Hoge rechnet fest damit, dass bereits im kommenden Jahr das Restaurtant im Heinrich-Neuy-Museum eröffnet werden kann.

-gun- Borghorst. Bürgermeister Andreas Hoge hat keinen Zweifel: Die Arbeiten am Kirchplatz 5 werden wie geplant weitergehen. Schon im kommenden Jahr soll das Heinrich-Neuy-Museum eröffnet werden. Und damit auch ein Restaurant im Erdgeschoss. “So sieht es das Konzept seit über zwei Jahren vor”, sagt Hoge und versteht die Aufregung einiger Nachbarn nicht. Die hatten sich nach der Berichterstattung in den WN erschrocken darüber gezeigt, dass nebenan demnächst von früh bis spät ein Lokal samt Außengastronomie betrieben wird.
“Ohne Restaurant wäre das Museum gar nicht machbar”, erklärt der Bürgermeister. Schließlich müssten durch Mieteinnahmen die laufenden Kosten gedeckt werden: “Von einem kleinen Gafe war in diesem Zusammenhang auch schon deshalb nie die Rede”, wehrt sich Hoge gegen gleich lautende Behauptungen. Eine Konzession habe der Pächter für den Kirchplatz 5 bislang noch nicht beantragt, was aber nicht überraschend sei. “Generell ist Gastronomie in dieser Gegend zulässig”, so der Bürgermeister und verweist auf zwei nahe gelegene Lokale, die ebenfalls im Sommer einen Biergarten anbieten. Hoge geht zudem davon aus, dass der Betreiber die pers?ɬ?nlichen Voraussetzungen für eine Konzession erfülle: “Wenn dies der Fall ist, hat er sogar einen Anspruch auf die Schankerlaubnis.”Der alte Wintergarten wird abgerissen, ein neuer gebaut. Im Garten des Hauses soll es ab kommenden Sommer eine Außengastronomie geben.
Der angedrohten Klage aus der Nachbarschaft sieht Steinfurts Verwaltungschef gelassen entgegen: “Wenn ich ein Haus kaufe, schaue ich mich erstmal um, was in dem Gebiet alles möglich sein könnte”. Ändern werde sich an den Plänen für das Neuy-Museum nichts.
Erledigt hat sich nach Aussage von Andreas Hoge die Suche nach 26 Parkplätzen für die Besucher des Museums: “Wir stellen die erforderlichen Plätze auf dem Rathausparkplatz zur Verfügung.” Ohne Ablösesumme. Hoge: “Wir haben auch ein städtisches Interesse daran, dass aus dem Projekt Heinrich-Neuy-Museum etwas wird.” Ähnlich entgegengekommen sei man kürzlich dem Deutschen Roten Kreuz in Burgsteinfurt.
Auch wenn noch einiges an Arbeit ansteht bevor Museum und Restaurant erstmals die Türen öffnen können, der Bürgermeister freut sich auf diesen Tag: “Es wird für Borghorst ganz bestimmt eine Bereicherung sein.” Und er sieht – zusammen mit dem Stiftskreuz und dem Heimathaus – darin vor allem auch einen Anziehungspunkt für Touristen.

Quelle: Westfälische Narichten, 26.07.2007

October 26th, 2006

Leben und Wirken im Zeichen des Bauhauses

Europaweit bietet der Tag des Offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September der geschichtsinteressierten Öffentlichkeit Einblicke in sonst meist verschlossene alte Gemäuer. Nicht anders war es in diesem Jahr auch in Steinfurt, wo die Heinrich-Neuy-Stiftung den Tag dazu nutzte, erstmals das Haus Weining/ König am Kirchplatz 5 im Ortsteil Borghorst und seine geplante neue Nutzung einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Über 400 Besucherinnen und Besucher nutzten dieses Angebot – und waren voll des Lobes sowohl über den geschichtsträchtigen Ort als auch über seine nun angedachte zeitgenössische Nutzung.

Heinrich-Neuy-Stiftung präsentiert Projekt Kirchplatz 5

Die vom Land NRW bewilligte Landesförderung hatte zur Auflage gemacht, ein professionell erstelltes Betriebskonzept vorzulegen, das nicht nur die Besonderheit des Projektes, sondern auch dessen Wirtschaftlichkeit belegt. Die Landes- entwicklungsgesellschaft erarbeitete daraufhin nach eingehenden Diskussionen mit allen Projektbeteiligten sowie Fachleuten aus den Bereichen Gastronomie und Design ein integriertes Nutzungskonzept, das den Bauhaus- Gedanken auf das Innere (fast) des gesamten Hauses überträgt: So soll nicht nur im Obergeschoss eine Ausstellung die Bauhaus-Idee anhand der Werke einzelner Bauhäusler wie Heinrich Neuy, Margarete Leiteritz und Albert Hennig präsentieren, auch die Gastronomie im Erdgeschoss soll in Einrichtung und Ausstattung vollständig dem Bauhaus-Gedanken verpflichtet sein. Kunst und Gebrauchsdesign sollen so Hand in Hand eine Atmosphäre schaffen, die die Bauhaus-Philosophie eben nicht nur museal präsentiert, sondern beim Besuch des Restaurants oder des Museums-Shops auch unmittelbar erfahrbar macht. Wie das Bauhaus alle Bereiche des Lebens durchdringen wollte, so soll es am Kirchplatz 5 demnächst auch in allen Facetten des Lebens erlebbar sein: Im Mobiliar, in Geschirr und Besteck, aber eben auch in der Kunst, die die Räume schmückt.

Sowohl die Umbaupläne als auch das Betriebskonzept stießen am Denkmaltag auf erfreulich positive Resonanz. Nimmt man die Bemühungen der Kirchengemeinde St. Nikomedes hinzu, das wertvolle romanische Stiftskreuz und die aufwändig restaurierte Stiftsbibliothek für Borghorst zurückzugewinnen, dann zeichnet sich für den Kirchplatz eine verlockende Chance ab, wieder ein ganz besonderer Ort im Herzen der Stadt – und der Borghorster – zu werden.

Dass niemand für das Projekt besser werben kann als das Haus selbst, wurde in allen Gesprächen – ob in großer oder kleiner Runde – immer wieder bekundet.

 

Nachdem durch die Zusage einiger engagierter Helfer auch der Nachweis des zu erbringenden Eigenanteils gesichert werden konnte und nachdem auch einige Sachspenden durch die regionale Wirtschaft eingeworben werden konnten, kann die Heinrich-Neuy-Stiftung heute glücklich vermelden: “Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.” Die Weichen sind gestellt. Wenn nun die endgültige Förderzusage des Landes vorliegt und auch der Bauantrag bewilligt ist, kann es losgehen. Da mit einer Umbauzeit von gut einem Jahr gerechnet wird, könnte das Haus dann Ende 2007/Anfang 2008 seine Pforten öffnen.
Die Findungsphase ist abgeschlossen; das Konzept und die Pläne liegen vor. Ermuntert von Freunden und F?ɬ?rderern, hat die Heinrich-Neuy-Stiftung ein ambitioniertes Projekt in Angriff genommen und ist damit eine hohe Verpflichtung eingegangen. Schon während der nun anstehenden Bauphase wird die vorrangige Arbeit der Stiftung darin bestehen, das Projekt Kirchplatz 5 so stark zu machen, dass es sich mittelfristig auch selbst tragen kann. Dazu bedarf es jedoch einer nachhaltigen Unterstützung durch die kulturinteressierte Öffentlichkeit und die regionale Wirtschaft. Die öffentliche Hand hat mit ihrer Anschubfinanzierung einen hoffnungsvollen Auftakt ermöglicht; nun liegt es an uns Bürgerinnen und Bürgern, verteilt auf viele Interessierte und Engagierte unser – ganz demokratisch auf viele Schultern verteiltes – Mäzenatentum unter Beweis zu stellen, damit wertvolle Geschichtszeugnisse und Kulturgüter im Lebenszusammenhang der Menschen an ihrem Ort wirksam bleiben können. Wer helfen kann und mag, ist herzlich eingeladen, seinen Beitrag beizusteuern.


links: “Die ersten Bilder hängen schon”, hatte es freudig in der Lokalpresse geheißen; und in der Tat gaben einige provisorisch aufgehängte Arbeiten von Heinrich Neuy willkommenen Anlass zu angeregten Diskussionen über die kulturelle Dimension, die das Projekt für den Ort und die Region haben wird. rechts: Prof. Oskar Spital-Frenking aus Lüdinghausen erläuterte vor den Plänen sein Umnutzungskonzept für das Haus am Kirchplatz 5.

 

Quelle: Münsterland Magazin Heft 3/06, Tecklenborg Verlag
Fotos: Tecklenborg/Friedrich

 

Einen weiteren Artikel zum Thema finden sie in der folgenden PDF-Datei auf den Seiten 74-77.
Download der Zeitschrift “Denkmalpflege in Westfalen-Lippe” Ausgabe 2/06 im PDF-Format

March 10th, 2006

Gala zugunsten der Neuy-Stiftung

Jugendorchester Borghorst Gala zugunsten der Neuy-Stiftung

-kaw- Borghorst. Was hat eigentlich Sekretärin Nicola bei einem Benefiz-Konzert zu suchen? Ganz einfach: Sie bedient die Schreibmaschine, den “Typewriter”. Das berühmte Stück aus dem Film mit Jerry Lewis spielte, am Sonntag das Jugendorchester Borghorst. Und Sekretärin Nicola entpuppte sich als Nicolas Pepping. Doch auf der Bühne standen noch viele Musiker mehr.

Wo vor einem Jahr Geld für die Flutkatastrophe in Asien gesammelt worden war, hatten sich für ein Benefizkonzert drei Kapellen eingefunden. Doch ging es diesmal nicht um ein Projekt in der Ferne, sondern um die Heinrich-Neuy-Stiftung, genau vor der Haustür.

Bürgermeister Andreas Hoge fasste es am Sonntag in Worte: “Es geht hier um das Vermächtnis eines großen Künstlers. Wir werden dafür sorgen, dass wir die Stiftung in Borghorst behalten können.” Die Pläne für das Haus König bedürfen des Geldes. Schließlich solle das Haus einmal mit Café- oder Restaurantbetrieb ausgestattet werden. Eine Möglichkeit, Werke des Bauhauskünstlers auszustellen, solle es ebenfalls geben, so Hoge.

Nach fulminanter Eröffnung mit einem Medley aus dem Musical “Grease” gab Jugendorchesterleiter Thomas Blanke den Taktstock aus der Hand und der Männergesangverein hatte seinen Auftritt. Auf der Bühne, die tags zuvor noch Schauplatz närrischen Treibens gewesen war, moderierte Clemens Klamra die Männer an. “Das Studium der Weiber ist schwer. All die gestressten Männer könnten ein Lied davon singen.” Und das taten sie auch, Mit “Ach, die Weiber” aus der Operette “Die lustige Witwe”, hatten die Männer die Schmunzler auf ihrer Seite.
Auch das Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Steinfurt spielte am Sonntag unentgeltlich für den guten Zweck. Bei dem Medley beliebtet Melodien stimmten beim “Jäger aus Kurpfalz” und anderen Liedern nicht nur die MGVler, sondern auch so mancher Zuh?ɬ?rer mit ein.

Schade für die Stiftung, dass am Sonntag viele andere Veranstaltungen liefen. So blieben in der Buchenberghalle Reihen leer. Trotz einiger hervorragender musikalischer Beiträge wollte Stimmung einfach nicht aufkommen.

Quelle: Westfälische Nachrichten vom 10. März 2006

October 14th, 2005

Anerkennung der Stiftung

Sein nicht immer leichtes, aber stets gradliniges Leben als Künstler und Handwerker haben auch den Regierungsvizepräsidenten Alfred Wirtz beeindruckt. Ebenso seine lebenslange Neugier. Gestern überreichte Wirtz Hedwig Seegers, Tochter des verstorbenen Borghorster Bauhaus-Künstlers Heinrich Neuy, die Anerkennungsurkunde für die Heinrich-Neuy-Stiftung.

Hedwig Seegers hat seit 1989 die Werke ihres Vaters betreut und umfangreiches Material zusammengetragen. Dem Wunsch ihres Vaters folgend, überführt sie die Sammlung seiner künstlerischen Werke in eine Stiftung, damit sie der Nachwelt vollständig erhalten bleibt.

In dem alten Weiningschen Haus am Kirchplatz, das der Stiftung inzwischen gehört, werden nach einem Umbau im Obergeschoss die Werke des im Jahr 2003 verstorbenen Bauhaus-Künstlers der Öffentlichkeit präsentiert. Im unteren Teil des historischen Gebäudes sollen ein Raum für die alte Borghorster Stiftsbibliothek, ein Raum für eine historische Ausstellung zur Geschichte des Hauses und der Stadt Borghorst sowie ein Café entstehen.

Rund 300 Werke von Neuy im Wert von mehr als 700 000 Euro werden neben einem Barvermögen von knapp 30000 Euro sowie dem erst kürzlich erworbenen alten Stiftskurienhaus in die Stiftung einfließen. Das Stiftungsvermögen muss seinem vollen Wert erhalten bleiben. Zustiftungen und Spenden sind möglich und er wünscht; heißt es in einer Pressemitteilung der Bezirksregierung. Die Heinrich-Neuy-Stiftung ist die 32. im Kreis Steinfurt und die 337. im Regierungsbezirk Münster.

Auf dem Foto sind zu sehen, (v.I.): Vorstandsmitglied Friedrich Sieveneck, Regierungsvizepräsident Alfred Wirtz, Neuy-Tochter Hedwig Seegers und Kuratoriumsmitglied Werner Friedrich.

October 10th, 2005

Die Arbeit der Stiftung

Gremien der Stiftung sind laut Stiftungsgeschäft der dreiköpfige Vorstand und das maximal neunköpfige Kuratorium. Der Vorstand verwaltet das Stiftungsvermögen und entscheidet über die Verwendung der Erträgnisse aus dem Stiftungsvermögen.

Nach Heinrich Neuys Willen gehören den ersten Vorstand an: als Vorsitzende des Vorstands seine Tochter Hedwig Seegers, die seit 1989 mit umsichtiger Hand das Archiv betreut und die Galerie Neuy an der Fürstenstraße 3 betreibt; als 2. Vorsitzender Sparkassendirektor Jürgen Holtz, ein langjähriger Freund und Förderer des Werkes von Heinrich Neuy; Friedrich Sieveneck erweitert als Steuerberater die finanztechnische Kompetenz des Stiftungsvorstands. Das Kuratorium berät und überwacht den Vorstand; es hat im Rahmen des Stiftungsgesetzes und der Satzung den Willen des Stifters sicherzustellen und entscheidet über die Richtlinien der Tätigkeit der Stiftung; es billigt den Jahresbericht des Vorstands, stellt den Jahresabschluss fest und entlastet den Vorstand.

Nach Heinrich Neuys Willen gehören dem ersten Kuratorium an: Werner Friedrich, Autor mehrerer Publikationen über Heinrich Neuy und als langjähriger Vorsitzender des Fördervereins Kloster/Schloß Bentlage vertraut mit Fragen der regionalen Kulturpolitik; Dr. Volker Gutberlet, Leiter des Gymnasiums Borghorst und insbesondere dem ganzheitlich bildenden Aspekt im Werk von Heinrich Neuy verpflichtet; Andreas Seegers, der als Enkel von Heinrich Neuy die Staffette seiner Botschaft in die nächste Generation trägt; der Verleger Hubert Tecklenborg, der 2001 mit der großen Monographie zu Heinrich Neuys 90. Geburtstag einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung von Heinrich Neuys Werk geleistet hat; und seit November 2005 auch Joachim König, der mit dem Verkauf seines Elternhauses an die Stiftung und mit seiner großzügigen Zustiftung von 300.000 € den Grund gelegt hat für das ambitionierte Projekt Kirchplatz 5.

Die Stiftung will durch Ausstellungen, Vorträge und Publikationen das Werk von Heinrich Neuy und den dahinter stehenden Bauhaus-Gedanken propagieren. Neben der Dauerpräsentation eines repräsentativen Querschnitts durch das Gesamtwerk sind auch Einzelausstellungen zu speziellen Themenkomplexen, aber auch Ausstellungen der Arbeiten anderer Bauhäusler geplant. Dabei werden enge Kooperationen mit dem Bauhaus in Dessau, dem Bauhaus-Archiv in Berlin und dem Josef-Albers-Museum in Bottrop angestrebt. Im Frühjahr 2006 wird die Stiftung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Heinrich Neuys Werk in Kairo präsentieren. Um das Haus Kirchplatz 5 nach seiner baulichen Herrichtung der kulturinteressierten Öffentlichkeit zugänglich halten zu können, legt die Stiftung sogenannte “Bausteine” auf, die dazu beitragen, die kulturhistorische Bedeutung des Hauses vor dem Hintergrund der Stadtgeschichte Borghorsts herausstellen. Beginnend 2005, werden in dieser Reihe jährlich zwei Motive aufgelegt.

In einer Broschüre erfahren Sie alles über die Gründung der Stiftung und das Haus der Stiftung. Download der Broschüre im PDF-Format

September 29th, 2005

Die Heinrich – Neuy – Stiftung

Als Heinrich Neuy am 24. März 2003 starb, hatte er sein Haus gut bestellt: Das Stiftungsgeschäft für seine Stiftung hatte er selbst unterschrieben und damit bestimmt, über 360 Werke im Wert von damals 1,3 Millionen DM – darunter zahlreiche Schlüsselwerke wie die drei Zyklen Gewitter, Freude und Lyrik von 1946 – zusammenzuhalten und der Öffentlichkeit dauerhaft zu präsentieren; als Sitz der Stiftung hatte er Steinfurt oder Dessau bestimmt. Ebenso hatte er die personelle Erstbesetzung der Stiftungsgremien festgelegt. Vorstand und Kuratorium bemühen sich heute gemeinsam um den Auf- und Ausbau der Stiftung, vor allem aber darum, Heinrich Neuys Wunsch nach einer Präsentation seines Werkes in seiner Heimatstadt Borghorst zu erfüllen. Die Stadt Steinfurt unterstützt die junge Stiftung seit Anbeginn nach Kräften. Am 5. November 2003 votierte der Hauptausschuss einstimmig dafür, alles zu tun, um einen Verbleib des Werkes von Heinrich Neuy in Steinfurt sicherzustellen. Tags darauf berichteten die Westfälischen Nachrichten unter der Überschrift “Kulturelle Katastrophe” – “Heinrich-Neuy-Stiftung bald in Dessau?” Was geschieht mit den 600 Kunstwerken von Heinrich Neuy? Bleiben die Werke des bekanntesten Steinfurter Künstlers in der Stadt oder gehen sie nach Dessau verloren? “Das wäre eine kulturelle Katastrophe für die Stadt?”, sagte CDU-Ratsherr Guido Kratzke gestern Abend im Hauptausschuss und drängte die Verwaltung zur Eile.

Es galt zunächst, Ausschau zu halten nach einem geeigneten Standort für die Präsentation von Heinrich Neuys Werk, breite Unterstützung einzuwerben und eine Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit zu entwickeln.

Nachdem Heinrich Neuys Tochter Hedwig Seegers die Stiftung zunächst als unselbstständige Stiftung treuhänderisch verwaltet hatte, konnte die Heinrich-Neuy-Stiftung am 29. September 2005 von der Bezirksregierung Münster als selbstständige Stiftungmit Sitz in Borghorst anerkannt werden.

March 24th, 2003

Heinrich Neuy

neuy.jpgHeinrich Neuy, 1911 in Kevelaer geboren, studierte von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau.

Was er in jener Zeit bei Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe und Josef Albers lernte, prägte ihn tief und gab seinem Leben Richtung und Orientierung: Dass das Handwerk in der Kunst und die Kunst im Handwerk aufgehoben ist und beiden im Kontext des Baus eine dienende Funktion zukommt, blieb für ihn zeitlebens leitende Maxime. Diesen am Bauhaus gelegten tragenden Grund haben auch sieben Jahre Krieg und Kriegsgefangenschaft nicht zerstören können.

Nachdem 1946, noch in englischer Kriegsgefangenschaft, – gleichsam als Summe des am Bauhaus Gelernten – die drei Zyklen Gewitter, Lyrik und Freude entstanden waren, widmete sich Heinrich Neuy ab 1947 dem Wiederaufbau und Ausbau seiner Tischlerei in Borghorst. Zwischen 1950 und 1969 unternahm er mehrere Versuche, die Bauhaus-Idee einer sowohl künstlerisch als auch handwerklich ausgerichteten Ausbildung in Form einer Werkbildungsstätte lebendig zu halten. Es war ihm – auch 1989 mit seinem letzten Anlauf, eine solche Stätte für das Kloster Gravenhorst vorzuschlagen – kein Erfolg beschieden; er war damit seiner Zeit wohl doch zu weit voraus. Heute wird diese Idee in der – von der Handwerkskammer getragenen – Akademie des Handwerks mit großem Erfolg praktiziert.

Die Gründung der Künstlervereinigung des Welbergener Kreises 1970 wurde für Heinrich Neuy zum Anlass, seine Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Resonanz und Anerkennung, die er dabei erfuhr, war ihm willkommener Ansporn zu neuem Experimentieren, so dass ihm die Achtziger und Neunziger Jahre schließlich zu einer Zeit nicht nur der lange ausgebliebenen Bestätigung, sondern auch der verdienten Ehrungen wurde. Nach Ausstellungen in ganz Deutschland, in Europa, aber auch im außereuropäischen Ausland erhielt er 1991 den Kulturpreis der Stadt Steinfurt; 1994 ehrten ihn das Bauhaus in Dessau und das Westfälische Landesmuseum in Münster mit einer Retrospektive; 1996 verlieh ihm der Kreis Steinfurt seinen Kulturpreis; zum 90. Geburtstag im Jahre 2001 erwies ihm der Tecklenborg-Verlag in Borghorst seine Reverenz in Form eines repräsentativen Buches über sein Gesamtwerk; und 2002 benannte – für ihn persönlich wohl die bedeutendste Ehrung – die Stadt Steinfurt eine Gemeinschaftsgrundschule in Borghorst nach ihm.

Heinrich Neuy ist am 24. März 2003 in Borghorst gestorben.

Heinrich Neuy war ein Mensch, der wie kaum ein anderer beharrlich seinen Weg gegangen ist, der unbeirrt an seinen Überzeugungen festgehalten und gegen alles Unverständnis seine Ideale gelebt hat. Mag sein realer Lebenskreis zwischen Werkstatt und winzigem Atelier auch eng gewesen sein, in dieser bescheidenen Welt hatten Wohnen und Arbeiten, Familie und Künstlertum Platz unter ein und demselben Dach. Tischler und Künstler das fügte sich bei ihm ebenso bruchlos zusammen wie Borghorster und Weltbürger.

Heinrich Neuy stand stets mit beiden Beinen fest auf der Erde, aber hatte den Kopf voller – oftmals auch utopischer – Ideen. Er war ein empfindsamer Dickkopf, der Auseinandersetzungen zwar nicht suchte, aber auch keiner je aus dem Wege gegangen ist. In seinem konsequenten Festhalten am einmal für wahr Erkannten blieb er – wie sein großer Anreger Kandinsky – zeitlebens ein konservativer Revolutionär. Und als engagierter Mittler bewahrte er im ernsten Spiel seiner Kunst das Erbe der inzwischen klassisch gewordenen Moderne. Heinrich Neuys Werk wird getragen von einem leitmotivisch starkem “Trotzdem!”. Er reagiert auf die Zerrissenheit, das Chaos und die Verrücktheiten unserer Welt mit Heiterkeit, mit Ordnung und mit Zuversicht. Gegen alle Anfechtungen hat er ein Leben lang seinen sokratischen Optimismus verteidigt, dass, wer das Richtige begriffen hat, es auch tut. Und bis ins hohe Alter hat er sich – auch darin vorbildhaft – seine jugendliche Neugier, die Gabe zu staunen und eine ungebrochene Begeisterungsfähigkeit bewahrt.